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13 · 03 · 2017

Sing-Akademie zu Berlin: Festkonzert zu Ehren Niels Wilhelm Gade; Begrüssung von Per Erik Veng

Sehr geehrter Herr Präsident der UdK, Martin Rennert,

Sehr geehrter Herr Vorsitzender der Singakademie, Georg Castell,

Sehr geehrter Herr Professor Kai-Uwe Jirka, Sing-Akademie zu Berlin,

Sehr geehrter Herr Dramaturg, Christian Filips,

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

 

Und insbesondere: Liebe Frau Inger Sørensen aus Dänemark

 

Es ist mir eine grosse Freude, bei dieser Einführungsveranstaltung zum heutigen Konzert als Direktor des Dänisches Kulturinstituts eine Begrüssung geben zu dürfen.

 

Als ehemaliger Musikwissenschaftler und Orchester- und Chorintendant des Dänischen Rundfunks, liegt es mir besonders am Herzen, dass dänische Musik im deutschsprachigen Raum aufgeführt wird – und vor allem in Berlin.

 

In 2015 war vor allem Dänemarks heut­zu­ta­ge

berühmtester Komponist Carl Nielsen besonders wichtig. Nielsen war einer von den Hauptkomponisten des Musikfests Berlin in der Philharmonie Berlin.

Nun in 2017 -heute Abend – gilt es Niels Wilhelm Gade – in Dänisch sagen wir Niels W. Gade – zusammen mit Werken von Rued Langgaard, den einzigartigen exzentrischen Komponisten, der in seiner Jugend starke Verbindungen zum Berliner-Kreis hatte.

Langgaards erste Symphonie wurde von den Berliner Philharmonikern unter der Leitung von Max Fiedler uraufgeführt, und er war mit seiner Familie jedes Jahr einige Monate in Berlin und knüpfte hier viele Kontakte.

Sein geniales und visionäres Werk, ”Sfärenmusik”, hören wir auch heute Abend. Dieses Werk brachte auch Sensation beim Musikfest in 2015, bei den Proms im London Royal Albert Hall und auf CD. Das Werk wurde in den 60er Jahren wieder entdeckt, und als der grosse Komponist György Ligeti diese Partitur lass, sagte er: Ich wusste gar nicht, dass ich ein Langgaard-Epigone bin….

Gerade vor Niels W. Gade, hat Langgaard geschwärmt. Privat, war er ein Freund von Gades Sohn, Axel, und sah sich selbst kompositorisch wie eine Verlängerung Gades romantischer Tonsprache. Das diesjährige Langgaard Festival in Ribe im August/September in Dänemark, präsentiert auch Gade und Langgaard als Themenschwerpunkt.

 

Es ist mir eine ganz besondere Freude, dass unsere führende Niels W. Gade-Forscherin, Inger Sørensen, heute Abend hier ist.

Sie hat das wichtigste Buch über Niels W. Gade und sein Werk geschrieben – ”Niels W. Gade, Eine dänische Weltberühmtheit – und vor kurzem hat sie eine umfassende Sammlung der Korrespondenz des Komponisten veröffentlicht – ”Niels W. Gade und sein europäischer Kreis” in drei Bänden.

 

Niels W. Gade war zu seiner Zeit ein sehr berühmter Komponist mit weltweiten Aufführungen. Im Concertgebouw in Amsterdam, ist er zum Beispiel neben allen anderen grossen Komponisten porträttiert – dagegen nach seinem Tod, in 1890, wurde er langsam durch die nächsten Generationen von Komponisten mit neuen innovativen Ansätzen zum Komponieren verdrängt -insbesondere von gerade Carl Nielsen. Und Niels W. Gade, der als altmodisch empfunden wurde, geriet im 20. Jahrhundert weitgehend in Vergessenheit.

Ungerecht, aber der Geschmack hatte sich verändert – und nur seine Lieder und ein paar Werke waren noch Teil des nationalen Repertoires in Dänemark.

 

Er war die grösste und leistungsstärkste Musik-Persönlichkeit in Dänemark in der letzten Hälfte des 19. Jahrhunderts – unbedingt der ’Mr. Music’ in Dänemark -, und war unter anderem für die Einrichtung eines professionellen Musikkonservatoriums nach dem Vorbild Leipzigs und viele andere Pionierarbeiten in Kopenhagen verantwortlich. Er war ein wesentlicher Faktor, Kopenhagen in der europäischen Liga als Kulturstadt zu bringen.

Daran müssen wir dieses Jahr auch denken – dass er dieses Fundament für die musikalische Entwicklung der Stadt gelegt hat.

 

Kopenhagen und Dänemark ehrte ihn damals durch die Aufführung einer Statue, die auf einen sehr prominenten Platz in Kopenhagen steht – in der Nähe den königlichen Palästen, im kopenhagener Innenstadtteil, Frederikstadt.

 

Die Statue wurde aber nach dem 2. Weltkrieg zu einem anderen mehr bescheidenen Ort versetzt – in einer von Kopenhagens Parkanlagen. Ganz symbolisch wurde er auch vom physischen Zentrum verdrängt.

 

Ich kannte noch sein Enkel, Johannes Gade, der fleissig versuchte ein Niels W. Gade Museum in Humlebaek, nördlich von Kopenhagen (die kleine Stadt, wo sich auch das Louisiana Museum befindet), am Leben zu halten, aber das wegen Mangel an finanzieller Unterstützung von weder Staat noch private Stiftungen in 1973 leider geschlossen werden musste.

 

Heute, 200 jahre nach der Geburt des Komponisten, würde ich behaupten, dass Niels W. Gade über den letzten 20 Jahren eine Renaissance bekommen hat.

Seine Werke werden in kritisch-revidierte Ausgaben veröffentlicht.

Es werden über ihn ausgezeichnete Bücher geschrieben -auch in Deutsch – und hier sind insbesondere die Leistungen von Inger Sørensen wichting -, und seine Werke werden dieses Jahr in vielen Orten aufgeführt.

 

Die deutschen Rundfunksender haben in letzter Zeit viele von Niels W. Gades Werken ausgestrahlt und in Dänemark wird er auf Festivals und in Konzerten gefeiert.

Viele erkennen jetzt sein Grösse – und vor allem für seine früheren Werke, die man mit einem speziellen nordischen Ton wahrnimmt, sind sehr nachgefragt. Wir hören z.B. heute Abend den 1. Satz aus der 1. Symphonie.

Und sein Engagement für das Musikleben wird mit einer besonderen Feier an der Königlichen Hochschule für Musik in Kopenhagen gekennzeichnet.

Die Schwester-Hochschule für Musik zu UdK wurde vor genau 150 Jahren von Gade gegründet.

 

Ich hatte selber das Vergnügen Konzerte und Aufnahmen seiner Symphonien im dänischen Rundfunk in den 90er Jahren zu planen. Diese Aufnahmen, die von Christopher Hogwood dirigiert sind, zusammen mit anderen Massnahmen, haben dazu beigetragen, die Augen für diesen grossen dänischen Komponisten zu öffnen – und zum Anlass seines Geburtstages, kommen wieder Neuaufnahmen seiner Klaviermusik, Kammermusik und Vokalwerke, u.a. ”Comala” und das bekannte Werk ”Erlkönings Tochter”, die eben vor zwei Wochen aufgeführt und aufgenommen wurde – zum ersten Mal übrigens auf Deutsch und nicht auf Dänisch.

 

Ein sehr, sehr grosser Dank an die Singakademie Berlin und an Professor Kai-Uwe Jirka, um sich so gross heute Abend mit ein dramaturgisches starkes Programm zu wagen.

Niels W. Gades romantisches Oratorium für Solisten, Chor und Orchester: ”Die Kreuzfahrer”- und Langgaards: “Sfärenmusik” im selben Programm.

 

Ich danke ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.